Mentoring im Fokus: Die Reise von Jens Temesberger und Prof. Linsel zeigt, wie aus einer universitären Zusammenarbeit die Stahlbetoningenieure Plus GmbH entstand. Ein realer Einblick in die Bedeutung von Mentoring und Partnerschaft im Ingenieurwesen
Inhalt
Was ist Mentoring?
Mentoring ist eine der ältesten Formen des Wissensaustauschs und der persönlichen Entwicklung. In seinem Kern handelt es sich um eine professionelle Beziehung, in der eine erfahrenere Person, der Mentor, sein Wissen, seine Einsichten und seine Unterstützung an eine weniger erfahrene Person, den Mentee, weitergibt. Diese Beziehung basiert auf gegenseitigem Respekt, Offenheit und einem tiefen Verständnis für die Ziele und Bedürfnisse des Mentees.
Im Ingenieurwesen, wo technische Fähigkeiten und innovatives Denken entscheidend sind, spielt Mentoring eine besonders wichtige Rolle. Es geht nicht nur darum, fachliches Wissen zu teilen. Mentoring umfasst auch die Förderung von kritischem Denken, Problemlösungskompetenzen und der Fähigkeit, komplexe Projekte und Herausforderungen zu bewältigen. Ein Mentor kann Orientierung bieten, Karrierewege aufzeigen und dabei helfen, berufliche und persönliche Ziele zu erreichen.
Ein effektives Mentoring-Verhältnis kann viele Formen annehmen – von formellen, strukturierten Programmen bis hin zu informelleren, organisch gewachsenen Beziehungen. Unabhängig vom Format ist das Ziel von Mentoring immer, den Mentee zu unterstützen und zu fördern, indem man ihm ermöglicht, von den Erfahrungen und dem Wissen des Mentors zu profitieren.
Dabei ist es wichtig zu betonen, dass Mentoring eine Zwei-Wege-Straße ist. Während Mentees wertvolle Einblicke und Lernmöglichkeiten erhalten, profitieren auch Mentoren durch neue Perspektiven, die Verbesserung ihrer Führungsqualitäten und das Gefühl, einen signifikanten Beitrag zur Entwicklung eines anderen Menschen geleistet zu haben. Diese dynamische Interaktion macht Mentoring zu einer bereichernden Erfahrung für beide Beteiligten.
Mentoring im Ingenieurwesen stärkt nicht nur das individuelle Fachwissen, sondern fördert auch Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit, Teamarbeit und Führungsstärke. Durch den Austausch von Erfahrungen und das Modellieren von professionellem Verhalten spielt Mentoring eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von gut gerundeten, kompetenten und innovativen Ingenieuren, die bereit sind, die Herausforderungen und Möglichkeiten der Branche anzunehmen.
In der heutigen schnelllebigen und technologisch fortschrittlichen Welt ist Mentoring wichtiger denn je. Es ermöglicht die Weitergabe von unverzichtbarem Wissen und Erfahrungen, die nicht allein durch formale Bildung oder Selbststudium erworben werden können. Mentoring bereichert somit nicht nur die Karrieren einzelner Ingenieure, sondern stärkt auch die Ingenieurbranche insgesamt, indem es eine Kultur des Lernens, der Unterstützung und der kontinuierlichen Verbesserung fördert.
Der Wert von Mentoring für Mentees und Mentoren
Im dynamischen Feld des Bauingenieurwesens kann die Rolle eines Mentees verglichen werden mit der eines angehenden Architekten, der sein erstes großes Gebäude entwirft. Die Unterstützung durch einen erfahrenen Mentor bietet ihm nicht nur einen soliden Grundriss, sondern auch Einblicke in die komplexen Strukturen und unvorhersehbaren Herausforderungen, die bei der Realisierung solcher Projekte auftreten können.
Für Mentees
- Direkte Anwendung von Theorie in die Praxis: Für angehende Bauingenieure ist die Möglichkeit, akademisches Wissen direkt in realen Projekten anzuwenden, unbezahlbar. Ein Mentor kann zeigen, wie Theorie in die Praxis umgesetzt wird, indem er zum Beispiel die Anwendung von Lastberechnungen und Materialauswahl an einem realen Brückenbau-Projekt erläutert.
- Netzwerkbildung: Mentoren öffnen Türen zu einem Netzwerk von Fachleuten, Zulieferern und potenziellen Arbeitgebern, das für die Karriereentwicklung entscheidend sein kann. Das ist vergleichbar mit einer persönlichen Einladung zu einer exklusiven Baumesse.
- Vermeidung von Fehlern: Ein Mentor kann von seinen eigenen Fehlern berichten und wie er sie gelöst hat, was Mentees hilft, kostspielige Fehler zu vermeiden. Dies kann von der korrekten Interpretation von Bauplänen bis hin zur Vermeidung von Kommunikationsfehlern mit Auftraggebern reichen.
Für Mentoren
Die Rolle des Mentors im Bauingenieurwesen ähnelt der eines erfahrenen Bauleiters, der nicht nur die Führung über das Projekt übernimmt, sondern auch sein Team fördert, um gemeinsam das beste Ergebnis zu erzielen.
- Frische Perspektiven: Junge Ingenieure bringen oft neue Ideen und Ansätze mit, die innovative Lösungen für altbekannte Probleme bieten können. Dies kann so einfach sein wie die Nutzung einer neuen Software für die Projektplanung oder ein frischer Blick auf nachhaltige Baustoffe.
- Leadership-Entwicklung: Durch die Anleitung eines Mentees entwickeln Mentoren ihre Führungs- und Kommunikationsfähigkeiten weiter. Die Erfahrung, komplexe Konzepte verständlich zu erklären und jemanden durch ein Projekt zu leiten, ist direkt übertragbar auf die Leitung größerer Teams.
- Berufliche Zufriedenheit: Zu sehen, wie ein Mentee wächst, Herausforderungen meistert und erfolgreich wird, ist eine der größten Belohnungen. Es bestätigt nicht nur den eigenen Erfolg und die eigene Expertise, sondern stärkt auch das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Berufsstand geleistet zu haben.
Im Bauingenieurwesen, wo Projekte oft so komplex wie die Bauwerke selbst sind, wird der Wert von Mentoring besonders deutlich. Es bildet die Brücke zwischen Generationen von Ingenieuren, überträgt unverzichtbares Wissen und fördert eine Kultur des lebenslangen Lernens und der kontinuierlichen Verbesserung. Durch Mentoring werden nicht nur individuelle Karrieren vorangetrieben, sondern auch die Grundlagen für die Bauwerke der Zukunft gelegt.
Mentoring in der Praxis: Jens Temesberger als Laboringenieur in Nigeria
Frisch aus dem Bachelorstudium, mit einer Spezialisierung im Spezialtiefbau und einer vorherigen Ausbildung als Baustoffprüfer, bekam ich, Jens Temesberger, eine einmalige Gelegenheit: Die Betreuung von Baustofflaboren in Nigeria. Mit nur 24 Jahren stand ich vor der Herausforderung, meine Fachkompetenz unter Beweis zu stellen – nicht nur gegenüber dem jahrelang eingespielten nigerianischen Personal, sondern auch gegenüber Mitarbeitern, die teilweise doppelt so alt waren wie ich.
Die Herausforderung: Beweis der Fachkompetenz
Meine Aufgabe war es, verschiedene Baustofflabore zu betreuen und eng mit dem lokalen Personal zusammenzuarbeiten. Die größte Herausforderung dabei war es, meine Autorität und Fachkompetenz zu etablieren und gleichzeitig Akzeptanz unter den erfahrenen Mitarbeitern zu finden. Trotz der Sprachbarrieren und der unterschiedlichen Kulturen musste ich schnell lernen, effektiv zu kommunizieren und mein Wissen praktisch einzusetzen, um die Qualität der Arbeit zu verbessern und proaktiv Probleme zu identifizieren, anstatt nur reaktiv zu agieren.
Lernen und Lehren: Ein kultureller und fachlicher Austausch
Das Mentoring-Verhältnis, das sich in Nigeria entwickelte, war beidseitig. Einerseits lernte ich enorm viel über die verschiedenen Kulturen, Herangehensweisen und das weniger strukturierte und bürokratische Arbeitsumfeld in Nigeria. Andererseits konnte ich mein Wissen und meine Erfahrung als Baustoffprüfer einbringen, insbesondere in der praktischen Durchführung von Versuchen und der proaktiven Qualitätsverbesserung.
Diese gegenseitige Lernbeziehung führte dazu, dass ich trotz meiner Jugend und der anfänglichen Herausforderungen, mich zu beweisen, rasch Anerkennung und Respekt unter meinen nigerianischen Kollegen fand. Sie sahen mich nicht nur als einen jungen Ausländer, sondern schätzten mich wie einen Sohn – allerdings einen, dessen Fachkompetenz und Wissen unbestreitbar waren.
Schlussfolgerungen: Das Wachstum durch internationales Mentoring
Meine Zeit in Nigeria war geprägt von persönlichem und beruflichem Wachstum. Die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, und die Beziehungen, die ich aufbaute, waren unvergleichlich. Dieses internationale Mentoring-Abenteuer lehrte mich, über den Tellerrand hinaus zu blicken, mich schnell an neue Umgebungen anzupassen und mein Wissen effektiv einzusetzen und weiterzugeben.
Die Arbeit in Nigeria bestätigte, dass Mentoring nicht auf ein klassisches Lehrer-Schüler-Verhältnis beschränkt ist. Es ist ein dynamischer Prozess, von dem beide Seiten profitieren können. Es geht darum, Brücken zu bauen – zwischen Generationen, Kulturen und unterschiedlichen Fachgebieten – und dabei gemeinsam zu wachsen.
Mentoring in der Praxis: Prof. Linsel als Mentor von Jens Temesberger
Die Geschichte von Jens Temesberger und Prof. Linsel beginnt in der Universität, einem Ort voller Möglichkeiten und zukünftiger Partnerschaften. Während seines Studiums stieß Jens als Werkstudent zum Steinbeis Transferzentrum Infrastrukturmanagement, einem Unternehmen unter der Leitung von Prof. Linsel, das sich auf Betoninstandsetzung spezialisiert hatte. Diese erste Begegnung legte den Grundstein für eine zukünftige Zusammenarbeit, die beide nicht kommen sahen.
Vom Werkstudenten zur Abschlussarbeit
Die Arbeit im Unternehmen und die tägliche Interaktion mit Prof. Linsel eröffneten Jens eine neue Perspektive auf das Feld der Betoninstandsetzung. Sein Engagement und Interesse an der Materie führten dazu, dass er für seine Abschlussarbeit ein Projekt im Bereich der Betoninstandsetzung wählte, das er unter der direkten Anleitung von Prof. Linsel durchführte. Dieses Projekt war mehr als nur ein akademisches Unterfangen; es war der Beginn einer intensiven fachlichen Zusammenarbeit.
Erste Schritte als selbständige Partner
Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums und der Abschlussarbeit entwickelte sich zwischen Jens und Prof. Linsel eine professionelle Partnerschaft. Sie begannen, auf selbständiger Basis zusammenzuarbeiten, wobei sie ihre Kompetenzen in der Betoninstandsetzung nutzten, um gemeinsam erste Projekte zu bearbeiten. Diese Phase war geprägt von gegenseitigem Lernen und dem kontinuierlichen Austausch von Wissen und Erfahrungen.
Die Gründung der Stahlbetoningenieure Plus GmbH
Die erfolgreiche Bearbeitung der ersten Projekte bestätigte die Synergien zwischen Jens und Prof. Linsel. Ihre komplementären Fähigkeiten und die gemeinsame Vision für die Zukunft der Betoninstandsetzung mündeten in der Entscheidung, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen: die Stahlbetoningenieure Plus GmbH. Diese Gründung war das Ergebnis einer evolutionären Partnerschaft, die in den Universitätslaboren begann und sich zu einem professionellen Bündnis entwickelte, das die Grenzen der traditionellen Betoninstandsetzung erweitern wollte.
Fazit
Die Entwicklung von Jens Temesberger vom Werkstudenten zum Mitgründer der Stahlbetoningenieure Plus GmbH unter der Mentorschaft von Prof. Linsel ist ein Beispiel dafür, wie akademische Neugier, praktische Anwendung und unternehmerischer Geist zusammenkommen können, um neue Wege in der Ingenieurbranche zu beschreiten. Ihre Geschichte unterstreicht die Bedeutung von Mentoring und Zusammenarbeit in der beruflichen Entwicklung und demonstriert, wie aus einer Lehrer-Schüler-Beziehung eine gleichberechtigte Partnerschaft entstehen kann, die den Grundstein für innovative Unternehmungen legt.